Wecke den „Regelbrecher“

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Wenn du zu mir kommst, lass „das Normale“ „das Logische“ „das Vernünftige“ draußen vor der Tür und trete befreit ein. Stattdessen nimm (nach dem du lange gesucht und endlich gefunden hast), den in dir tief verborgenen „Regelbrecher“ mit.

Ich weiß, dass du nett, freundlich, bescheiden und höfflich bist. Ich weiß, dass du fähig bist zu lieben, dass du dich in andere hineinversetzen kannst, sozial und verständnisvoll sein kannst, dass du deinen Platz in der Gesellschaft gefunden hast und entsprechend akzeptiert und beachtet wirst. Du lebst nach allgemein menschlichen Moralvorstellungen und hast humane Prinzipien.

Als Frau bist du schön und sanft, mütterlich und fürsorglich, weiblich, verhalten und zärtlich. Als Mann tugend- und gentlemenhaft. Zärtlich zu Frauen und freundschaftlich zu gleichgeschlechtlichen. In deinem Verhalten sieht man es dir an, dass du die Gleichberechtigung akzeptierst und befürwortest.

Das alles ist mir bewusst, das alles kenne ich und all diese schönen Seiten habe ich an dir durchaus gesehen und schätzen gelernt.

Dennoch, wenn du vor mir auf der Bühne stehst, zeige mir, dass du auch „anders kannst“, überrasche mich und vor Allem dich selbst. Traue dich „Moral zu brechen“…

Ich suche Ecken und Kanten, Hässlichkeiten und Abnormalitäten. Mich interessieren „gescheiterte Existenzen“, die Figuren, die anders als ihr – Spieler, sich in der Gesellschaft nicht einordnen können, auch wenn sie das mit aller Macht versuchen. Unkonventionelle, zerfressene, verbitterte, unlogische, unsittliche, verneinende, anarchistische, aber befreite Figuren, die Illusionen haben, fantasievoll sind und revolutionär, die „nicht einverstanden“ sind, und „nicht klar kommen“, die voller Widersprüche sind, mit sich kämpfen und Konflikte austragen….

Zeige mir diese Seiten und erzähle mir nicht, dass du sowas nicht kennst und nicht hast. Denn dann bist du falsch auf meiner Bühne….

Wie soll ich denn so eine Figur spielen, wenn ich eine ganz alltägliche Rolle spiele, wie zum Beispiel zum Becker gehen und Brötchen kaufen?

Was du daraus machst, weiß ich nicht. Nur mach etwas daraus…

Suche….

Aber überschlage dich dabei nicht. Wolle nicht gefallen, wolle niemandem gerecht werden. Auch nicht mir. Das ist ein Widerspruch, ich weiß. Ein Wiederspruch, der dir zum Spielen verhelfen wird. Konzentriere dich auf das „zum Bäcker gehen und Brötchen kaufen“…

Du sagst, ich soll ich selbst sein, aber gleichzeitig irgendeine komische Figur spielen…. Ich bin aber kein komischer Mensch, wie soll ich so einen spielen?

Dann werde es für einen Moment…. Sei du selbst… Sei aber gleichzeitig auch bereit, andere „komische“ Seiten in dir zu suchen und zu entdecken…. Scheue dich nicht… Traue dich und lass das Scheitern zu…. Habe keine Angst lächerlich zu sein…. Wolle nicht „gut da stehen“, wolle nicht „gut spielen“…. Für mich zählt „gut gespielt“ nicht… Das ist nur eine allgemeine Aussage….

Wie soll ich authentisch spielen, wenn ich nicht das tun darf, was für mich „ganz normal“ ist?

Du darfst Alles!

Du darfst das, was du im Alltag „nicht darfst“. Kunst machen und fantasievoll sein, ausprobieren und „rum spinnen“. Wenn du dir keine Gedanken mehr darüber machst, ob du authentisch bist oder nicht, sondern dich ganz und gar auf das Ausprobieren einlässt, wenn du an das, was du gerade tust, selbst glaubst, dann wirst du in deiner „nicht normalen“ Welt authentisch.
Konzentriere dich auf das Spielen und nicht darauf, ob du authentisch bist oder nicht.

Nutze die Gelegenheit!

Mach Kunst!

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